Verfall oder Konservierung

Der ewige Konflikt:
Freilegen, konservieren und (ständig) restaurieren - oder wieder zuschütten?
 

FAZ vom 09.11.2010

Der Verfall Pompejis

Erschreckt hat die Nachricht viele, gewundert wenige: Am vergangenen Samstag stürzte in Pompeji das „Haus der Gladiatoren“ (Casa dei Gladiatori) ein. Das Desaster ge- schah im Morgengrauen. Glück im Unglück, denn zwei Stunden später hätte der Einsturz an Pompejis eins- tiger Hauptstraße, in der sich täglich Touristenmassen drängen, Verletzte oder gar Tote gefordert.
Als Grund gelten die Wolkenbrüche der vorangegangenen Tage, die das Fundament des seit Jahren ge- sperrten Bauwerks unterspült hätten. Der wahre Grund – und deshalb wundert die Katastrophe kaum jemanden – ist aber die jahrzehnte- lange Vernachlässigung dieser wohl berühmtesten und meistbesuchten Welterbestätte der Antike.

Zwei Nachrichten aus jĂĽngerer Zeit:
Links der Beginn eines Be- richtes in der FAZ ĂĽber den erschreckenden Zustand der Ausgrabungen in Pompeji im Allgemeinen und den Ein- sturz der Casa dei Gladiatori im Besonderen,
und rechts ein Bericht in der NRZ  ĂĽber eine Millionen- spende eines italienischen Modeunternehmers zur Sa- nierung des Colosseums in Rom mit einem Aufruf, Ver- gleichbares auch fĂĽr Pom- peji zu tun.

Vielen ist nicht bewusst ist, dass alle antiken Bauwerke, die unter der Erde meistens hervorragend konserviert waren, prinzipiell mit ihrer Freilegung dem Verfall preisgegeben werden, wenn man sie nicht entsprechend schützt, konserviert und pflegt. Archäologen stehen also immer vor dem Dilemma, etwas für die Nachwelt sichtbar zu erhalten – mit meistens sehr kostspieligen Konsequenzen – oder das aus wissenschaftlichen Gründen freigelegte und untersuchte Objekt anschließend wieder zuzuschütten, auch wenn es dadurch zwar noch in Publikationen für die Fachwelt, nicht aber der breiteren Öffent- lichkeit zugänglich ist (abgesehen davon, dass die Forschungsergebnisse auch kaum von anderen Wissenschaftlern über- prüft werden können, was eigentlich ein konstitutives Kriterium für Wissenschaft ist).

Bei den Forschungen in Pompeji haben wir beides getan: Das schon lange freigelegte, vom Verfall bedrohte Castellum Aquae konnte mithilfe von Sponsorengeldern geschützt werden (hier mehr dazu), während ein hochinteressantes, bisher noch nirgendwo in dieser Form gefundenes Wasserreinigungssystem im Verlauf der Wasserleitung von uns untersucht und anschließend wieder zugeschüttet wurde – mit dem „Erfolg“, dass es selbst in der engeren Fachwelt mehr oder weniger unbekannt geblieben ist (hier - in Kürze - mehr dazu).

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